Ausgezeichnet mit der tz-Rose der Woche!

CHERUBIM

nach dem Roman von Werner Fritsch

Regie: Steffi Baier
Licht: Hans-Peter Boden

Mit: Gerd Lohmeyer

Produktion: Luisenburg-Festspiele Wunsiedel
Veranstalter: Metropoltheater gGmbH


CHERUBIM ist die Geschichte des Knechts Wenzel, der Werner Fritsch sein Leben erzählt hat. Es ist die Geschichte eines Mannes, der an die Ewigkeit glaubt. Und es ist die Geschichte eines Jahrhunderts, erzählt von einem, der es von der unteren Warte erlebt hat: Erinnerungen an die arme Kinderzeit, die Arbeit als Knecht auf verschiedenen Höfen, der Aufstieg eines Mannes, der für Wenzel immer noch "der Hiltler" heißt, Wenzels tragische Ehe, seine surreal wirkenden Berichte zu den Wirrnissen der Kriegszeit, seine Flucht ins Böhmische.
Wenzel setzt der Not oft seinen ureigenen Witz entgegen, er spricht in einer Sprache, die in ihrer Einfachheit gleichzeitig tiefe Poesie und suggestive Kraft in sich trägt. Und er macht sich auf die großen Dinge seinen Reim, will eine Welt verstehen, deren Eingriffen er oft schutzlos ausgeliefert war - ein Leben wie eine knorrige Eiche. Ein großartiger, fast zärtlicher Monolog.

Der Roman wurde mit dem Robert-Walser-Preis ausgezeichnet und 1987 unter dem Titel „Das sind die Gewitter in der Natur“ verfilmt.

Stückdauer: ca. 75 min. / keine Pause

Pressestimmen:

"Gerd Lohmeyer kann den Schalk in seinen kleinen Augen schlafen legen. Aber wenn er ihn braucht, ist er gleich zur Stelle. Und darum ist Lohmeyer die Idealbesetzung für den Knecht Wenzel Heindl, dem Herbert Fritsch mit "Cherubim" ein Denkmal gesetzt hat. (...)
Wenzel ist ungebildet, findet die richtigen Begriffe fast nie, begreift aber doch. Auf seine Weise. Lohmeyer spielt fast 90 Minuten lang einen, den sein magisches Weltbild und die Distanz zu sich selbst davor schützen, an den "Fotzn" und "Arschprügeln", den "Hiltlers", wie er die Nazis nennt, oder dem selbst verschuldeten Tod des eigenen Kindes zu zerbrechen. (...) [Es gibt] im wesentlichen nur diesen Menschen zu sehen und den eigentümlichen, zwischen Oberpfälzisch und um Haltung ringendes Hochdeutsch mäandernden Idiolekt zu hören, mit dem Lohmeyer Fritschs Kunst-Sprache anwärmt. Das ist genug." (SZ)

"Ein bairisches Seelenkunstwerk (...) Dieser von der Kinderlähmung bucklichte, von einem Leben in harter Arbeit und Ausgrenzung geschlagene Wenzel hält uns 80 Minuten in Bann. (...) Man schaut (...) sehr klar auf ein ganzes kriegsgebeuteltes Jahrhundert. Mehr noch, man wird angepackt von dieser Erzählung eines einfachen Mannes ohne Schulbildung, der jedoch im gefühlsmäßigen Erfassen dieser Epoche sehr klug ist, ein tiefes Verstehen des Unrechts hat, sich zu seiner Angst bekennt, zu seinem sich Wegducken in der NS-Zeit. Menschlich ist dieser Wenzel, auch in seiner allen Schwierigkeiten trotzenden Lebenslust, seinen ohne Anzüglichkeit zugegebenen erotischen Bedürfnissen, seinem verschmitzten Humor. Und den hat Lohmeyer." (MM)

"Wo und mit was [Lohmeyer] auftritt - bei ihm gibt es reine Theaterkunst ohne Geschmacksverstärker. Lohmeyer ist pur. Niemand hat von ihm je einen verrutschten, einen unechten Ton gehört. Er ist authentisch in allem, was er tut; deshalb folgt man ihm, wohin er einen zieht. (...) Eine Urzeitbühne mit ein paar Steinen und hölzernem Strandgut. Lohmeyer kann auch diesen kargen Platz beleben. Der heftige Applaus zog auch den Autor Werner Fritsch ein." (tz)













Fotos: Rolph Metzner